Heute war wieder Beistandstag. Beim ersten Beistand im Jobcenter Zwickau Stadt, ging es wieder einmal um die Zurücknahme der Zuweisung zur Maßnahme 50+. Dies gelang auch nach dem Versuch der
Vermittlerin, diese Maßnahme schönreden zu wollen.

Im Zimmer nebenan hat Frau Strobel ihren Sitz, zu der wir etwas später einen Beistandsbesuch mit einem Kunden hatten. Als wir auf dem Flur warteten, wurden wir Zeuge, wie Frau Strobel wegen
fehlenden Termins einen Kunden abblitzen ließ. Der junge Mann hatte sich einen Arbeitsplatz gesucht und war auch eingestellt worden. Nun brauchte er das Fahrgeld um überhaupt seinen Arbeitsplatz
antreten zu können. Dies alles interessierte Frau Strobel in keinster Weise, denn sie sagte ihm, er solle sich einen Termin machen, jetzt würde sie sich nicht darum kümmern. Der junge Mann war
aber kämpferisch eingestellt und hat sich nicht abwimmeln lassen. Irgendwie muss sich dann der neue Chef eingeschaltet haben, jedenfalls ging es dann und er hat das Fahrgeld per Barauszahlung
erhalten. Noch ein paar solcher Fälle und der Name Arbeitsverhinderungsbehörde hat seine volle Berechtigung.

Dann ging es zu Frau Strobel ins Zimmer. Der Kunde um den es geht, wird seit Monaten jede Woche so mit 8 bis 13 Arbeitsangeboten beglückt. Der größte Teil natürlich unpassend, weil er schon die
Voraussetzungen die der Arbeitgeber verlangt nicht erfüllen kann. Nun hat er auch noch eine Sanktion bekommen, weil er sich angeblich bei zwei Firmen nicht beworben hätte. Was auffällig ist, auch
hier konnte er die Anforderungen nicht erfüllen, denn den sicheren Umgang mit Holzbearbeitungsmaschienen hat er als Nichttischler natürlich nicht. Nach der obligatorischen Kontrolle der
Eigenbemühungen legte Frau Strobel ihm nach und nach wieder etliche Stellenangebote vor. Unter anderem ein Angebot, in dem Berufserfahrungen mit dem fahren einer Ameise gefordert wurde. Der
Einwand, dass dies kein passgenaues Angebot, so wie in der EGV angegeben, ist, beantwortete Frau Strobel mit der folgenden Einwendung. „Dann machen Sie eben ein vierwöchiges Training in diesem
Betrieb“. So kann man natürlich jedes Angebot passend machen.

Danach kamen wir auf die Sanktion zu sprechen. Aufgefordert, Beweise vorzulegen, die bestätigen konnten, dass es definitiv keine Bewerbung bei den beiden Firmen gegeben hat, lehnte Frau Strobel
kategorisch ab und sagte immer wieder, dass der Kunde ja Widerspruch einlegen könne. Sie war in keinster Weise bemüht, auch nur nach irgendeiner Lösung zu suchen. Der Eifer, den sie beim
Stellensuchlauf an den Tag gelegt hatte, war plötzlich einer Verweigerungshaltung gewichen. Selbst die Teamleiterin zu holen verweigerte sie, so dass am Ende der Beistand die Teamleiterin holen
musste.

Dies brachte aber auch nichts, da die Teamleiterin, Frau Groß, sich ebenfalls nicht kümmern wollte und mit dem Argument, keine Ahnung von dem Fall zu haben, achselzuckend abwehrte. Sie beschwerte
sich lediglich noch, dass man sie aus einem Gespräch rausgerissen hätte. Selbst der Hinweis, sie solle sich doch kurz mal diesen Fall anschauen, konnte Frau Groß nicht in Bewegung versetzen. So
eine totale Verweigerungshaltung ist uns in den 4 Jobcentern im Landkreis noch nicht untergekommen. Spätestens beim Hinzuziehen der Teamleiter wurde der Versuch unternommen, sich der Probleme der
Kundschaft anzunehmen und auch der Versuch gestartet auch eine akzeptable Lösung zu finden. Aber hier, null, nichts. Die Eine wollte nicht und die Andere gab sich ahnungslos.

Aber immerhin, kann man vermuten, war es die übliche Abspeisung der Kunden, die sonst immer bei Kunden mit Beistand vermieden wird. Die beiden Damen haben sich vermutlich dieses Schauspiel sparen
wollen. Das wäre zumindest ehrlich.

Nun hatte der Kunde bestimmt so 6 bis 8 Bewerbungsvorschläge erhalten. Im Regelsatz ist für Bewerbungen kein Geld vorgesehen und in den Größenordnungen ist das auch nicht vorfinanzierbar.
Daraufhin angesprochen, veranlasste Frau Strobel eine Barauszahlung. Als wir die Papiere in der Hand hielten, stellten wir fest, dass es sich lediglich um die Erstattung der vergangenen
Bewerbungskosten handelte. Also besuchten wir Frau Strobel noch einmal. Sie weigerte sich, im Voraus Kosten zu übernehmen und auf die Frage, wie es denn gehen soll, mit einer Sanktion diese
Bewerbungskosten auf die vielen Stellen vorzufinanzieren, zuckte sie nur die Schultern und bat uns nach draußen, da der nächste Kunde warte.

Also noch einmal zur Frau Groß, der Teamleiterin. Sie ließ den Beistand gar nicht erst zu Wort kommen und erklärte wieder, dass sie keine Ahnung von dem Fall hat und dass sie nichts unternehmen
werde. Als der Beistand erklärte, dass es um was anderes ginge sagte sie, dass sie das nicht interessiert, da sie jetzt einen Bericht schreibt. Auf die nochmalige Nachfrage, dass sie jetzt nichts
tun wolle, antwortete sie mit ja. Daraufhin verließen wir das gastliche Zimmer. Leider war im ganzen Haus kein einziger von der Leitungsebene wegen Sitzung zu sprechen, so dass es erst mal keinen
Zweck hatte, weiterzumachen.

Heute haben wir gelernt, Kunde = Null, Kundenanliegen sind sechstrangig. Im Vordergrund steht die Bürokratie, die Beschäftigung mit sich selbst, die Erfüllung der Sanktionsquote. Zum Bestrafen
bedarf es nicht einmal eines Beweises, so wie vor ordentlichen Gerichten.

Dort wo Unrecht zu Recht wird, ist Widerstand Pflicht.

A. Pianski

Kommentare: 3

  • #1

    Hans-Jürgen Reglitzki (Freitag, 27 Mai 2011 11:14)

    Hallo,

    gut geschrieben, und erschreckend für ALLE ALG-II-Bezieher. Im letzten Abschnitt vermisse ich nur noch den Hinweis, dass, wie in diesem Falle, Frau Strobel, nur versucht ihren Job zu behalten.

    Hans-Jürgen Reglitzki

  • #2

    Hans-Jürgen Reglitzki (Samstag, 28 Mai 2011 08:22)

    Moin,

    im Büro eines Teamleiters in einem Jobcenter las ich jüngst einen Spruch, der eigentlich als Witz gelten sollte, aber inzwischen sehr viel an Realität gewonnen hat:

    „Man muss Kunden so schnell über den Tisch ziehen, dass sie die Reibungshitze als Nestwärme empfinden!“

    Wer weiss, vielleicht ist genau das das Geheimnis der durchgeührten Schikanen!

    Hans-Jürgen Reglitzki

  • #3

    M. Madaus (Sonntag, 29 Mai 2011 13:20)

    Frau Groß-Teamleiterin, 2-3 Mal mussten wir als Beistand mit den Betroffenen bei Frau Groß nach dem Versagen ihrer Mitarbeiter leider schon vorsprechen. Die Art u. Weise wie diese Teamleiterin alles
    abblockt was an sie herangetragen wird ist einfach, Verweigerung. Sie hat immer gerade etwas anderes zu tun, obwohl davon zu meist nichts zu sehen ist. Von einer Teamleiterin kann bei Frau Groß nicht
    gesprochen werden, denn da erwartet man zumindest ein Minimum an Engagement aber diese Frau lehnt alles von vorn herein ab. Ich erinnere mich an einen Beistand, bei dem sie auch ahnungslos, keinen
    Einblick u. angeblich auch keine Zeit hatte. Die Zeit, die Betroffene zynisch zu fragen, „ob sie denn überhaupt arbeiten wolle“ die hatte sie. Als Teamleiterin sollte man eine Vorbildfunktion haben,
    wenn denn schon Mitarbeiter sich über alles hinweg setzen und die Betroffenen ständig schikaniert werden, nur weil sie ihre Rechte einfordern und nicht mehr alles ab nicken, dann sollte doch mal die
    Bereichsleitung o. Chefetage tätig werden.