Aus diesem Grund haben Mitglieder von Gegenwind am Jobcenter Chemnitz, Heinrich-Lorenz-Straße, zuständig für die Generation der über 25jährigen, am Freitag Infoflyer verteilt.

Es dauerte nicht einmal 15 Minuten, da wurde der Herr von der Aufpasserfirma zu uns herausgeschickt, mit dem Auftrag, uns vor dem Eingang zu verscheuchen und uns auf den Fußweg zu verbannen. Um
nicht beim 1. Mal unhöflich zu erscheinen und um ihn einmal von seiner Arbeit im inneren des Hauses abzuhalten, setzten wir uns in Bewegung und liefen ein wenig umher. Natürlich auch unmittelbar
am Eingang, aber ohne zu verteilen. Da musste er natürlich die Szene beobachten und blieb so eine Weile bei uns draußen.

Als er dann verschwunden war, platzierten wir uns wieder vor dem Eingang und verteilten unsere Flyer, die auch sehr gern angenommen wurden. Es kamen sogar Leute aus dem Jobcenter heraus, um auch
noch einen zu bekommen. Das blieb natürlich dem Schnüffeldienst nicht lange verborgen und er bemühte sich wieder an die frische Luft. Irgendwie sah man dem guten Mann den Frust schon an, dass
sich hier jemand erdreistet und sich nicht an seine Anweisung hält. Um vielleicht noch etwas größer und bedrohlicher zu erscheinen, baute er sich regelrecht vor einem Gegenwindler auf. Beine
breit, Hände in den Hüften, Brust raus und Kopf nach oben gestreckt, sprach er die Worte, „Ich habe ihnen doch gesagt, …“.

Sein gegenüber machte die Beine breit, stemmte die Arme in die Hüften und erklärte ihm, dass Gegenwind die Absicht hat, Flyer weiterhin vorm Eingang zu verteilen und das er sich eventuell mit dem
Flughafenurteil beschäftigen soll. Wenn es ihm nicht passt, kann er gern den Geschäftsführer nach unten bitten oder direkt die Polizei holen. Wir waren noch ca. 2 Stunden da, weder
Geschäftsführer noch Polizei bekamen wir zu Gesicht. Da es verständlicherweise etwas lauter bei dieser Unterhaltung zuging, war uns die Aufmerksamkeit der umstehenden sicher und sie bekamen auch
gleich mit, dass man sich nicht bei allem dem Diktat solcher Institutionen unterwerfen muss.

Zufälligerweise machte jemand ausgerechnet in dem Moment der Auseinandersetzung ein paar Touristenfotos vom Eingang des Jobcenters. Das ist ihm wahrscheinlich so 20 Minuten später zu Bewusstsein
gekommen, als er seine Niederlage verkraftet hatte, denn er kam noch einmal heraus. Diesmal versuchte er über Fotografie und Persönlichkeitsrecht zu referieren und stand dem Gegenwindler dermaßen
nah gegenüber, dass er den aufgeregten Atem spüren konnte. Dabei fuchtelte er ständig mit erhobenem Zeigefinger vor dem Gesicht des anderen herum.

Hier muss man sich wirklich fragen, kann man solche Leute eigentlich auf die Menschheit loslassen und dazu noch in einem so sensiblen Bereich. Solche Charaktere heizen die Situation erst noch
richtig an und dann ist es kein Wunder, wenn es zur Eskalation kommt und im schlimmsten Fall zu Toten, wie in Frankfurt. Da rennen Leute rum, ohne vernünftige Ausbildung und bei solchen
Aufträgen, ohne charakterliche Eignung. Wenn dann auch noch die Erlaubnis dazukommt Waffen zu tragen, dann sehe ich schwarz.

Ansonsten war es vor dem Jobcenter eine sehr entspannte Atmosphäre. Die Leute haben sich über die Informationen gefreut und es wurden auch gute Gespräche geführt. Ich denke, dass es lohnenswert
ist, öfter einmal in Chemnitz zu erscheinen, der Eingangsbereich dürfte dabei schon einmal erobert sein. Spannend dürfte es werden, wenn die ersten Beistände mit ins Jobcenter gehen.

A. Pianski

Kommentare: 2

  • #1

    Hans-Jürgrne Reglitzki (Samstag, 11 Juni 2011 14:09)

    Hallo Mitstreiter,

    Gegenwind in Chemnitz!!! Bravo!!! Und Glückwunsch zu diesem Mut im allgemeinen und zur Auseinandersetzung mit

    der Security.

    Sicherlich wird einiges auf Euch zu kommen, denn Chemnitz ist bzgl. Unterstützung beim ALG II ein Niemandsland.

    Ihr wisst ja sicherlich noch, dass der Verein, in deren Räumlichkeiten wir mal geschult wurden, fleissig mit der ARGE

    zumindest noch in 2010 zusammengearbeitet hat. Gerade im Bereich der „U-25-Jährigen“. Hier sollten der Verein beim

    Ausfüllen der Formulare helfen, und auch die erste Überprüfung aller Anlagen durchführen – auch der Kkontoauszüge, die

    natürlich kopiert wurden (zumindest damals noch im Januar 2010). In diesem <zeitraum half ich dem sohn einer Bekannten von uns beim JobCenter Chemnitz, Abteilung U-25-Jährige. Wir lehnten damals
    das Kopieren von Kontoauszügen ab. Es gab zwar Diskussionen, aber die waren dann für uns erfolgreich, weil ich an die Vernunft der damaligen weiblichen „Fachkraft“ appelierte, und ihr die BSG-Urteile
    unter die Nase rieb. Das überzeugte Sie dann. <leider komme ich nicht mehr auf den Namen des Vereins. Vielleicht fällt er Euch noch ein.

    Aber Suuuuuuuuuuuuuuuuuuuper Euer Einsatz in Chemnitz. Weiter so!!!!!!!!!11

    Hans-Jürgen Reglitzki

  • #2

    Rechte und Pflichten! – Wie ist die Verteilung? (Dienstag, 12 Juni 2012 20:02)

    Hallo allerseits.

    Habe den Bericht und das Kommentar vom erfolgreichen Gegenwind – fein! Das ist wohl einfach mal notwendig, denke ich. Ich bin selbst verpflichtet dort regelmäßig den Bittsteller zu spielen und finde
    es mittlerweile nicht mehr lustig, da ich in dieser Zeit nie untätig zu Hause gesessen habe, sondern mich weitergebildet und gearbeitet hab…!! Und dennoch wird man behandelt wie ein Stück Dreck!
    Entschuldigt die Ausdrucksweise…

    Rechte und Pflichten!

    Wer hat eigentlich in der Geschäftsstelle U25 das Sagen! Gibt es einen, der sie ins Leben gerufen hat oder so ähnlich??

    Würde mich sehr über eine Info dazu freuen. Danke.

    PS: Die Sache mit den Kontoauszugskopien find ich nicht schlecht! Hut ab für das Durchsetzungsvermögen!

    J.M.