Hier einmal ein interessanter Blick über unseren Tellerrand bzw. über die Grenze zu unseren deutschsprachigen Nachbarn.

PRESSEAUSSENDUNG

Weisse Wochen: Stigmatisiert Wiener Tafel Arme und Arbeitslose als Stinker?!

– – -> AKTIVE ARBEITSLOSE fordern Stopp der Vertafelung der Gesellschaft und stattdessen die Beseitigung der wirklichen Ursachen von Armut und Ausgrenzung

(Wien, 18.8.2011) Am Donnerstag, 18. August übernahm der Verein „Wiener Tafel“ vom REWE-Konzern 10.000 Stück Sets billiger Körperpflegeprodukte . Dessen Diskontlinie und will das als gutes Werk
verkaufen. Angeblich könnten Arme und Arbeitslose sich keine Körperpflege leisten, wird suggeriert, und dies bedeute, so „Wiener Tafel“-Obmann und Sozialarbeiter Martin Haiderer, „?nicht
teilhaben können am gesellschaftlichen Leben? und ?kaum Chancen am Arbeitsmarkt?

haben“.

Viktimisierung und Abspeisung der Abgehängten

Damit übernimmt die Wiener Tafel die neoliberale Ideologie der Viktimisierung der Opfer des auf Wettbewerb und Profitmaximierung gerichteten Wirtschaftssystems: Nicht die alleine in Wien
fehlenden über 100.000 Arbeitsplätze wären verantwortlich für die Armut, sondern ? salopp gesagt ? die stinkenden Armen selbst. Auch nicht, dass Wohnen immer teurer wird und viele Menschen
entweder in überbelegten Wohnungen leben oder sich keine Kategorie A Wohnung mit zeitgemäßen sanitären Einrichtungen am ?freien Markt? mehr leisten können. Oder das Geld für die Reparatur der
Therme oder für den Einbau einer Dusche fehlt. Daran ändert sich aber Nullkommajosef wenn die in den 220 Wiener Hilfseinrichtungen betreuten 10.000 Armen gerade einmal einen Körperpflegeset der
billigsten Art bekommen.

Es ist zwar schön für die oft paternalistisch agierenden Hilfsorganisationen, wo die Armen auch nur rechtlose Bittsteller um mildtätige Gaben sind, die laufenden Kosten der Einrichtungen mit der
?Wiener Tafel? zu senken, eröffnet den Armen aber keine echte Lebensperspektive und schon gar nicht eine echte Teilhabe am stetig wachsenden Reichtum der Gesellschaft.

Die Spende ? ein Marketinggag der Problemverursacher?

Dass sich ausgerechnet jener Konzern mit der einmaligen Spende ins Rampenlicht der Medien rückt, der gerade erst vor Gericht wegen systematischer und vermutlich auch absichtlich zu niedriger
Gehaltseinstufungen von KassierInnen nun ein soziales Mäntelchen umhängen will, anstatt sein Personal endlich ordentlich zu bezahlen, lässt auf einen billigen Marketinggag im Sommerloch
schließen.

Clever-Marketingleiterin will laut Presseaussendung „mit dieser Schwerpunktaktion gemeinsam mit der Wiener Tafel auf das aktuell brennende Thema aufmerksam machen.“ Die aktuell stark gestiegenen
Kosten für die täglichen Lebensmittel, die Miete und Betriebskosten ?

Österreich liegt mit einer Inflation von 3,5 % EU-weit an der Spitze ?

sind wohl eher die wirklich drückenden Probleme. Auch dass sich Arme ?

womöglich mit Kindern! ? keinen Urlaub leisten können, wo sie sich auch einmal vom krank machenden Überlebenskampf erholen könnten.

Volkseinsatz für ?Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit?

Den Gipfel der Frechheit ist der Aufruf an die Bevölkerung, Körperpflegeprodukte und Waschmittel für Ar¬mutsbetroffene im Einzelhandel zu kaufen und dann in den MyPlace-SelfStorage-Filialen
abzugeben. So wird den Menschen vorzu¬gaukelt, eine kleine mildtätige Spende würde wirklich das Leben der von der vorherrschenden Wirtschaft und Gesellschaft mutwillige ausgegrenzten Menschen
nachhaltig verbessern. Das gemahnt uns in seiner Dreistigkeit und Sinnlosigkeit nicht nur an das Winterhilfswerk der Deutschen Wehrmacht sondern macht ? auch wenn es von den Organisatoren der
guten Tat so nicht intendiert ist ? das neoliberale Regime von ?Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit?

nur allzu deutlich sinnbildlich: Nachdem die Bettler von der Strasse vertrieben wurden, soll das schmutzige Gesicht der Armut ganz aus dem Gesichtsfeld der medial geschönten Werbe- und
Warengesellschaft verschwinden.

Tafeln spalten die Gesellschaft und verschleiern die wirklichen Ursachen von Armut

Laut einer Studie der Caritas Nordrheinwestfahlen spalten Tafeln und Sozialmärkte die Gesellschaft, weil die auf mildtätige Gaben angewiesenen Menschen sich erst recht sozial ausgegrenzt fühlen.
Der neoliberalen Ideologen wird so das Feld für weiteren Abbau des Sozialstaates und den Rückzug des Staates aus seiner gesellschaftspolitischen Verantwortungfrei gemacht.

Der politische Skandal, dass mitten in reichen Gesellschaften, die angeblich Demokratien sein sollen, die Kluft zwischen Reich und Arm wächst, was ja kein Naturgesetz ist, gerät so zunehmend aus
dem Blickfeld. Das Menschenrecht auf einen angemessenen Lebensstandard wird von freiwilligen Spenden abhängig gemacht, statt endlich durch Hebung der ?sozialen Menschenrechte? in Verfassungsrang
Recht zu werden. Die repressive Mindestsicherung kann kaum als etwas anderes als Hartz IV auf österreichisch gesehen werden. Denn sie erhöht den Druck auf die Armen, im Sinne des (neo¬liberalen)
Arbeitszwangsregimes immer schlechter bezahlte, prekäre (Teilzeit-)Arbeit anzunehmen. Hierber schweigen sich die oftmals von der Politik und den Parteien abhängigen Hilfsorganisationen nobel aus.

Vielleicht auch weil sie mitunter selbst mit AMS-Zwangsmaßnahmen dabei mit machen?

Die Armen werden aber weiterhin passiv und unten gehalten. Eine Politisierung und Widerständigkeit der Armen soll offenbar mit der an das Mittelalter erinnernden paternalistischen Mildtätigkeit
verhindert werden. Dass das auf Dauer nicht wirklich funktioniert, zeigen aber die aktuellen Armenaufstände in Großbritannien, Spanien, Portugal, Griechenland …

Weitere Informationen:

Labournet: Tafeln und Vertafelung

http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/allg/tafeln.html

„Neue lokale Sicherheitsregimes“ von Volker Eik zum Download als PDF unter:

http://www.beigewum.at/kurswechsel/jahresprogramm-2009/kurswechsel-3-2009-

kritische-soziale-arbeit

Mehr Geld für KassierInnen im Supermarkt erreicht!

http://www.gpa-djp.at

Rückfragehinweis:

 

Mag. Ing. Martin Mair,

Obmann ?AKTIVE ARBEITSLOSE?,

+43 676 3548310

kontakt@aktive-arbeitslose.a

 

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Aktive Arbeitslose, ZVR: 852272795

Mag. Ing. Martin Mair, Obmann

Krottenbachstrasse 40/9/6, A-1190 WIEN

Tel.: +43-676-35 48 310

http://www.aktive-arbeitslose.at

kontakt@aktive-arbeitslose.at

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Kommentare: 1

  • #1

    Rudolph, Robby (Freitag, 19 August 2011 14:57)

    Sollte dann doch mal einer aufbegehren, spricht man sofort von „Kriminellen“. Die Berliner CDU weiß im Zusammenhang abgefackelter Autos in ihrer Stadt die Verantwortlichkeit zu kennen Zit.: „Die
    Verantwortung dafür, dass viel zu wenig Polizeikräfte für die Bekämpfung bereitgestellt werden können, tragen allein Wowereit und sein rot-roter Senat“. Quelle:
    http://www.cdu.de/archiv/2370_33312.htm

    Es mangelt also an Ordnungmacht und Kampfeswillen gegen die von der Gesellschaft ausgeschlossenen! Bravo CDU, bravo Kriegspartei! Die von der Gesellschaft abgehängte und ausgeschlossene
    Bevölkerungsschicht, diejenigen die sich zur Wehr setzen, denen seit Jahrzehnten eine menschenwürdige Teilhabe verwehrt wird ist demnach nun offen der Kampf angesagt. Über die Formen und Mittel mag
    man streiten aber völlig die Ursachen sozialer Unruhen zu ignorieren und statt dessen „die Hunde“ von der Leine zu lassen, erinnert eher an Gesellschaften mit elitären Auswüchsen. Dazu gesellt sich
    eine Ablehnung breiter Gesellschaftsschichten gegenüber Menschen die aus dem Produktionsprozess herausgeschleudert wurden und nun ihr Dasein am Gängelband der ARGE fristen dürfen. Auf einen
    Kostenfaktor reduziert dem braven Steuerzahler Geld „meine Steuern“ kosten, denen darüber hinaus bzw. permanent Faulheit, Alkohol und weiter diffamierende bis sozialrassistische Absonderlichkeiten
    zugeschrieben werden, auch z.B. über Bild&Co. Von Menschen die seit Jahren nur Ablehnung erfahren, wäre es schlichtweg Naiv anzunehmen, sie würden bevor sie „das Auto“ abfackeln sich noch über
    Gesellschaftsverhältnisse und Ursachen gedanklich auseinandersetzen. Ein zerstörtes Leben ohne Solidarität kennt nur „Feinde“ um sich herum!

    Da braucht sich anschließend eine Gesellschaft nicht verwundert die Augen zu reiben, wenn die strukturelle Gewalt gegen ausgeschlossene Menschen Sie dann ebenso trifft, unterschiedslos von der
    eigentlichen Mitverantwortung eines jeden selbst und sei es die eigene blöde Karre vor der Haustür oder das Geschäft von nebenan.

    Die Politik der Mächtigen kennt nur eine reflexartig beißwütige Reaktion darauf; ihre Repressionsinstrumente sollen es richten; für Ruhe und Ordnung sorgen. Das Problem im alt bekanntem Muster
    unterdrücken, so wie es seit Jahrzehnten praktischer Weise ähnlich mit Demonstrationen, Petitionen u.v.m. „funktioniert“. Dann müssen die Mächtigen eben weiter „drücken“ und die sozialen Spannungen
    bzw. Verwerfungen weiter verschärfen bis sich eine Frau Merkel irgendwann eines besseren belehrt fühlen darf wenn Zit.: „Ich hoffe und bin einigermaßen zuversichtlich, dass wir in Deutschland von
    Ereignissen, wie wir sie jüngst in London und anderen Städten in Großbritannien gesehen haben, verschont bleiben“ Merkel als diplomierte Physikerin hofft und wünscht? …verstärkte Spannungen würden
    nicht ihren Entladungsprozess finden?

    Anmerkung: „Sie“ schließt uns alle ein! Denken SIE (interessierte Leser und Leserinnen) mal persönlich darüber nach.