Bei bestem Sonnenschein haben wir unsere Flyer wieder einmal in Chemnitz, Heinrich-Lorenz-Str. verteilt. Dabei haben sich vor dem JC sehr interessante Gespräche ergeben.

Es kam auch ein Arbeitgeber auf uns zu und verurteilte das, was wir machen. Seine These war, alle arbeitsfaulen in ein Lager zu sperren. Als ich ihm sagte, dass wir das schon mal hatten,
relativierte er und meinte, natürlich nicht so. Im Laufe der Unterhaltung erzählte er weiter, dass er keinerlei Arbeitskräfte finden könne, obwohl er über 20 € brutto die Stunde zahlen würde. Die
Arbeitslosen, die ihm das Amt schickt, wären alle zu faul zum Arbeiten. So hätte ihm einer gesagt, dass er nicht arbeiten wolle, da er erst eine neue Freundin kennengelernt habe und die erst mal
flach legen müsse. Die anderen wären nach seiner Aussage gekommen, weil sie müssten und das er nur bestätigen solle, dass sie sich gemeldet hätten.

Auf Nachfrage sagte er, dass die Arbeit lediglich aus der Montage von Solarmodulen bestünde und die Leute auf Montage in der Umgebung eingesetzt würden. Wir konnten uns das alles nicht so recht
erklären und fragten mehrmals nach, ob es da nicht doch einen Haken bei der Angelegenheit gäbe. Dies verneinte er stets. Wir fragten ihn noch, ob er uns von sich ein paar Karten geben könne, da
wir spontan 20 bis 30 Leute hätten, die bei ihm arbeiten könnten. Leider hatte er keine dabei und machte auch so keine Anstalten, seinen Arbeitskräftebedarf durch unsere Mithilfe zu decken. Ich
werde hier mal keine Bewertung abgeben, hier kann jeder selbst sich seine Meinung bilden.

In einem weiteren Gespräch beklagte sich eine junge Frau, dass sie bloß Unterlagen abgeben wollte und dass sie die am Eingangstresen nicht entgegengenommen hätten. Sie musste eine Nummer ziehen
und warten bis sie dran wäre. Dass sie aber auf Arbeit müsse und nicht ewig warten kann, interessierte niemanden. Auf die Frage, warum man am Eingangstresen ihre Papiere nicht angenommen hat,
sagte sie, dass Arbeitsverträge nur in einem Büro entgegengenommen würden. Bei ihr waren Unterlagen verschwunden und nun müsse sie diese nachreichen und da war eben auch ein Arbeitsvertrag dabei.

Hier zeigt sich wieder das perfide System der Kleinhaltung, Verarscherei und das Zeigen, dass man doch ein Bittsteller ist. Warum wohl sonst, werden bestimmte Unterlagen nicht am Eingangstresen
angenommen? Chemnitz hat hier ein ganz eigenes System zur unmenschlichen Behandlung entwickelt.

Wir haben ihr dann geraten, da sie noch eine Freundin mithatte, dass sie zu zweit noch mal reingehen sollten, und gleich in das Büro und ihr Anliegen vortragen. die Frau war mittlerweile mit den
Nerven ziemlich am Ende. Drinnen wurde sie dann wieder abgebügelt und kam unverrichteter Dinge wieder heraus. Daraufhin haben wir dann einen neuen Versuch gestartet und ich bin als Beistand mit
hineingegangen. Wir stellten uns in die Warteschlange und als wir dranwaren übergab die Frau ihre Unterlagen der Frau Hammel, die am Schalter saß. Sie verweigerte die Annahme mit der Begründung,
dass sie Anweisung hat, diese Art von Unterlagen nicht entgegenzunehmen. Ich bat sie, doch ihren Vorgesetzten zu holen, worauf sie aufstand und verschwand. Vorgesetzten brachte sie keinen mit,
dafür teilte sie in einem sehr unhöflichen Ton mit, dass mittlerweile die gezogene Nummer an der Reihe wäre.

Also besuchten wir das Büro Nr. 06 der Frau Werner in der Eingangszone. Frau Werner nahm die Unterlagen und trug sie in Verbis ein. Nun verlangte die Frau eine Eingangsbestätigung. Da müsse sie
schon was mithaben, verlangte Frau Werner. Die Frau holte einen Notizzettel im Format 10×10 hervor, wo sie sich die abgegebenen Unterlagen aufgeschrieben hatte. Ich intervenierte und forderte
Frau Werner auf, Kopien anzufertigen und darauf den Stempel zu machen. Dieser Notizzettel als Eingangsbestätigung würde nicht akzeptiert werden. Ohne mich ausreden zu lassen, fiel sie mir ins
Wort, als ich ihr erklärte, wie so eine Eingangsbestätigung auszusehen hat. Zu gleicher Zeit wollte sie kundtun, warum sie das nicht machen werde. Sie drehte den Notizzettel einfach um und machte
den Eingangsstempel drauf.

Dann war es wieder da, dass beliebte Spielchen, ich rede nur mit der Kundin. Mich belustigt es mittlerweile, weil manche Sachbearbeiter doch ein Auftreten an den Tag legen, als stände man über
den Dingen und ist ganz taff und dann müssen sie sich solchen Kinderkrams bedienen um überhaupt noch ihre Verweigerungshaltung aufrechterhalten zu können. Naja, bei Befehlsempfängern kommt es
häufiger vor, dass man irgendwelchen Nonsens mit noch größerem Nonsens verteidigen muss.

Mehrmals forderte ich dann Frau Werner auf, doch bitte von den Deckblättern Kopien zu fertigen und den Eingangsstempel nebst Unterschrift darauf zu verewigen. Irgendwie wurde es ihr dann doch zu
viel und sie bat uns aus dem Zimmer, schloss es ab und ging kopieren. Als sie wiederkam sagte sie stolz, dass sie alle Blätter kopiert hat. Da fragt man sich dann doch allen Ernstes, was das
soll. Was sie mir auch noch mit auf den Weg gab war, das ich unhöflich wäre und frech.

Naja, ich habe lange überlegt, aber betrachtet man die eigentliche Situation, kann man folgendes feststellen.

Weiterbewilligungsantrag und alle Unterlagen abgegeben. Dann kommt ein Schreiben, Unterlagen fehlen. Irgendwo im Bermudadreieck ums Leben gekommen. Dadurch nur einen vorläufigen Bescheid, wo 300
€ fehlen. Dann zum JC gefahren, die verschwundenen Unterlagen nachreichen. Das erledigt man noch bevor man zur Arbeit muss. Ist ja auch kein großer Akt, außer das zusätzliche Fahrgeld, man stellt
sich an und in 20 min hat man sie am Eingangstresen abgegeben, falsch gedacht. Man muss Nummer ziehen und warten bis man aufgerufen wird. Der Arbeitsanfang rückt unaufhaltsam näher. Man startet
einen neuen Versuch und klopft am Büro, wo man sofort abgebügelt wird. Jetzt mit Beistand an den Eingangstresen zur Frau Hammel. Dort wird man angepflaumt. Im Büro Nr. 06 muss man um die
Eingangsbestätigung kämpfen.

Und zu guter Letzt wird festgestellt, dass der Beistand unhöflich und frech ist.

Da kann ich nur entgegnen, ohne den Beistand wäre die Frau ohne Eingangsbestätigung wieder abgebügelt worden. Was eigentlich eine Normalität in deutschen Amtsstuben sein müsste, muss man sich im
JC Chemnitz erst erkämpfen und durchsetzen, dass da etwas energischer und lauter argumentiert werden muss ist eigentlich normal. Aber lassen wir den Bediensteten ihren Traum, dass sie jederzeit
die Sache im Griff haben, dass niemand ihnen etwas kann, dass immer die Anderen Schuld haben und das die, die ihre Rechte wahrnehmen, nur ungehobelte Querulanten sind. Sollen sie weiter träumen,
denn Träume sind Schäume.

A. Pianski

Kommentare: 1

  • #1

    Renate (Montag, 29 August 2011 05:43)

    Mal wieder eine beispielhafte Darstellung wie unbekannt im Jobcenter der Kodex für gute Verwaltungspraxis ist.

    Zur Schulung ungehobelter SB´s inkl. Vorgesetzte mal diese Infos weitergeben:

    http://www.ombudsman.europa.eu/de/resources/code.faces#hl6

    und die Antwort auf Frage 34 unter Lüge abheften (Seite 35 folgender Bundestagsdrucksache)

    http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/067/1606785.pdf

    Weiter so, lasst nicht nach in eurem Kampf

    Gruss