Die Friesoyther mögen mir bitte verzeihen, wenn ich schreibe, dass es in der Provinz alles etwas ruhiger abläuft.

So auch unsere Aktion „Zahltag“ vor dem Jobcenter. Dieses ist dem Jobcenter Cloppenburg unterstellt, also eine Filiale, wenn
man so will.

Es begann sehr schleppend. Der Besucherandrang war nicht gerade groß. Wir verteilten unsere Flyer, aber selbst diese wurden
nicht so häufig genommen wie in Cloppenburg.

Wir hatten uns direkt neben bzw. vor dem Eingang des Jobcenters aufgestellt, um die Hilfeempfänger besser erreichen zu
können. Dann verwies uns Dieter Müller, seines Zeichens Geschäftsführer des Jobcenters, auf die Straße. Der Gehweg vor dem Jobcenter sei Eigentum der Behörde. Die von uns herbeigerufene Polizei
bestätigte die Aussage von Herrn Müller. Um kein Hausverbot oder Platzverweis zu riskieren, stellten wir uns auf die Straße und machten unsere Arbeit weiter. Allerdings werden wir hier
schriftlich Beschwerde bei den Vorgesetzten von Herrn Müller einlegen, da er ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts missachtet hat. Hier werden wir weitere Schritte unternehmen.

Unsere Hilfe wurde an diesem Vormittag nur ein einziges Mal in Anspruch genommen. Ein Hilfeempfänger wartete immer noch auf
seinen BaföG-Bescheid, und hatte, da das Jobcenter seine Zahlungen eingestellte, kein Geld zum Leben und für die KdU. Allerdings hatte der junge Mann psychische Probleme und musste zu einer
Therapie in die Klinik. Daher sollte auch die Schule abgebrochen werden, weil die Therapie wohl rund 6 Monate dauern würde. Das erste Mal ging er unterstützt von einer Freundin in die Höhle des
Löwen, um nach Geld zu fragen. Nach kurzer Zeit kamen die Beiden unverrichteter Dinge wieder heraus. Aufgrund unserer Frage, ob wir ihn mal als Beistand begleiten sollten, kamen wir schnell über
die Sachbearbeitung zum Teamleiter. Hier war dann auch der Geschäftsführer dabei. Nach einem Hin und Her unterbreitete er dann einen Vorschlag, den beide Seiten als fair erachteten und ihn
umsetzten. Am folgenden Tag konnte der junge, leider kranke Hilfeempfänger sein Geld holen.

Hier muss ich lobend erwähnen, dass Herr Müller einen fairen Vorschlag unterbreitete. Allerdings stelle ich mir die Frage,
warum konnten das nicht auch die vorher konsultierten Sachbearbeiterinnen, oder der Teamleiter selbst entscheiden? Werden diese absichtlich „dumm“ gehalten, oder sind dies die miesen Tricks,
damit das Sparziel von rund 7 % an den passiven Kosten erreicht wird? Wichtig ist aber erst einmal, dass dem Hilfeempfänger geholfen werden konnte.

Mal abgesehen von der Zeit, die durch das Delegieren von Verantwortung, eingespart werden kann, so kann für die Allgemeinheit
ein riesiger „Batzen Geld“ eingespart werden. Sicherlich hat die Leistungsbehörde Berechnungen darüber, was es kostet, einen Widerspruch und eine Klage zu bearbeiten. Diese Gelder werden so
absichtlich durch die Geschäftsleitung verschleudert.

Aufgrund des relativ geringen Zulaufs für die Aktion werden wir die Zahltage nur noch in Cloppenburg vor der
Leistungsabteilung des Jobcenters durchführen. In Friesoythe werden wir allerdings in unregelmäßigen Abständen unsere Flyer vor der Leistungsbehörde verteilen.

Hans-Jürgen Reglitzki