Das Mainstream-Blatt „Freie Presse“ brachte am 06.08.2016 einen Artikel mit der Überschrift „Jobcenter zeigt Hilfsverein kalte Schulter“.

Um was geht es hier?

Da gibt es in Lichtenstein / Sachsen einen Verein, der nennt sich „Kinderhilfe Lichtenstein Sachsen e.V.“.

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, für Kinder aus einkommensschwachen Familien und Kinder aus anderen Kulturkreisen da zu sein, ihnen zu helfen und sie zu fördern. So beschreibt der Verein auf seiner Webseite selbst seine Ziele.

In dem „Freie Presse“ Artikel wird nun mitgeteilt, dass dem Verein unter der Vereinsvorsitzenden Ute Hoch, die Arbeit über den Kopf wächst.

Zitat „Freie Presse“:

„Wir haben jeden Tag Mädchen und Jungen zwischen zwei und 17 Jahren hier. Da ist besondere Betreuung gefragt“, schildert sie das tägliche Mammutprogramm, das weit über den Zweck des vor sieben Jahren gegründeten Vereins hinausgeht.

Da in der Vergangenheit auch schon von Ein-Euro-Jobs profitiert wurde, dachte Frau Ute Hoch, dass es jetzt doch auch das Mittel der Wahl sein könnte. Allerdings machte sie die Rechnung ohne die Arbeitslosenverfolgungsfirma Jobcenter Zwickau. Frau Michaela Ungetüm, die neue Chefin dort, wies 2-mal ihren Antrag auf Sklaven ab.

Nun soll die Parteifreundin Sabine Zimmermann, beide Parteimitglieder in „Die Linke“, helfen, die sich zunächst an die Regionaldirektion und die Bundesagentur und wenn alles nichts hilft, auch noch an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wenden will.

Soweit erst einmal in Kurzform, was uns die „Freie Presse“ da mitgeteilt hat.

Frau Ute Hoch ist nicht nur in ihrem Verein sehr engagiert, sondern sitzt auch als Fraktionsmitglied der Partei „Die Linke“ im Kreistag und noch im Sozial- und Gesundheitsausschuss. Jetzt frage ich mich natürlich, was macht eine sozial und politisch sehr engagierte Frau, wie Frau Hoch, noch dazu linksorientiert, zur Unterstützerin von Hartz IV und der Sklaverei?

Vor ein paar Jahren stellte ich ihr anlässlich einer Diskussion in ihrem Verein die Frage, ob es nicht Systemerhaltend und zudem noch Versklavung von Arbeitslosen sei, Ein-Euro-Jobber zu beschäftigen. Dazu erwiderte Frau Ute Hoch, noch dazu sehr erbost, die allgemein bekannten Erklärungsformeln der Macher und Profiteure von Hartz IV. Ein-Euro-Jobs sind gut für die Betroffenen, schließlich bringen sie Struktur und geregelten Tagesablauf in das Leben.

Dann weiß sie auch noch zu berichten, dass sich etliche Ein-Euro-Jobber regelrecht bedanken und froh sind, dass sie diesen Ein-Euro-Job ausüben dürfen. Etliche wären gern geblieben und hätten diese Maßnahme gern verlängert.

Das sind Antworten, die man von fast allen „Maßnahmeträgern“ zu hören bekommt, die Ein-Euro-Jobber beschäftigen.

Was steckt hinter solchen Aussagen?

Psychologisch betrachtet, stammen diese Parolen natürlich von den Mainstream Medien und werden seit Jahren bei jeder Gelegenheit verbreitet. So gelangen sie in die Köpfe der Masse und finden im Unterbewusstsein ihren Platz. Sie werden zur gängigen Meinung, die ohne Nachzufragen als richtig und gut empfunden wird. Ein-Euro-Job-Verweigerer sind dann nach dieser Lesart faule Sozialschmarotzer. Bei den Betroffenen findet dieser Prozess natürlich auch statt. Hinzu kommt dann noch das Stigma als faul und nicht arbeitswillig zu gelten. Mit diesen psychologischen Methoden macht man die Betroffenen innerlich bereit, ohne dass es selbst gemerkt wird, sich der Selbstausbeutung hinzugeben. Meist wird bei diesen Ein-Euro-Jobs, dass trifft vor allem auf gemeinnützige Vereine zu, ein nahezu familiäres Umfeld geschaffen. All das steigert ebenfalls die Bereitschaft zur Selbstausbeutung.

Stellt sich die nächste Frage. Warum bleiben die Ein-Euro-Jobber, bis auf wenige Ausnahmen vielleicht, nicht weiter als ehrenamtliche Vereinsmitglieder bei der Tätigkeit? Spielt da etwa doch das Damoklesschwert der Leistungskürzung eine gewisse Rolle, solche Jobs überhaupt anzunehmen? Jedenfalls bleibt es schamlose Ausbeutung von in wirtschaftliche Not gedrängten Menschen, ob nun unter Zwang, oder freiwillig. Ein wacher Geist sollte durchaus erkennen können, dass Menschen, die unter Androhung von wirtschaftlicher Vernichtung genötigt werden, unentgeltlich zu arbeiten, den Status eines Sklaven haben. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, die Arbeitgeber, die solche Leistungen in Anspruch nehmen, Sklavenhalter sind, egal, ob es sich dabei um gewerbliche Betriebe handelt, oder um gemeinnützige Vereine.

Bleibt natürlich noch der wirtschaftliche Aspekt. Die Beschäftigung eines Ein-Euro-Jobbers spült nicht unerhebliche Geldmittel in die stets klammen Vereinskassen.

Wäre noch eine Frage zu klären. Muss man sich überhaupt an der Ausbeutung von Erwerbslosen beteiligen? Ich meine nein. Wenn es mittlerweile ein Mammutprogramm ist, dass weit über den Zweck des Vereins hinausgeht, wie in der „Freien Presse“ zu lesen ist, warum dampft man dann das Projekt nicht auf ein machbares Maß ein? Warum verfällt man auf die Idee, sich an der Ausbeutung von Menschen zu beteiligen und dass als Mitglied der Partei „Die Linke“? Nach eigenen Angaben auf der Webseite des Vereins arbeiten und engagieren sich 63 Bürger aus Lichtenstein und Umgebung für den Verein. Ist da überhaupt Bedarf für Sklavenarbeiter, oder ist es nicht eher der schnöde Mammon in Gestalt der Zuschüsse vom Arbeitslosenverfolgungsbetrieb Jobcenter?

Der Ansatz, mehr Zeit in die Motivation ihrer 63 Bürger und Bürgerinnen zu investieren, könnte bestimmt ungeahnte Reserven wecken, die die Mammutaufgabe vielleicht sogar ins Gegenteil verwandeln könnte und mehr Kapazitäten für noch mehr Kinderbetreuung eröffnen würde. Warum denkt Frau Ute Hoch nicht einmal in diese Richtung?

Und Sabine Zimmermann? Na klar hilft man da schon mal der Parteifreundin. Immerhin sitzt man zusammen im Kreistag und Frau Zimmermann dazu noch im Bundestag und sie ist Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales des deutschen Bundestages. Das allerwichtigste ist aber die gleiche Gesinnung. Frau Zimmermann engagiert sich vornehmlich für Vereine, die ebenfalls solche „Arbeitsplätze“ schaffen.

Die Partei „Die Linke“ steht für die Abschaffung von Hartz IV, offiziell zumindest. Hier sind 2 Mitglieder, die die neoliberale Propaganda offensichtlich verinnerlicht haben und vernünftigen Argumenten nicht mehr zugänglich sind. Ein SPD, CDU, CSU, FDP oder AfD Parteibuch würde besser passen. Eine Sache zu bekämpfen und gleichzeitig deren Dienstleistungen in Anspruch nehmen, dass ist lächerlich und deutet nur auf Taktiererrei zum persönlichen Vorteil und Befriedigung des eigenen Egos hin.

A. Pianski