Wie es der Name schon erahnen lässt, handelt es sich bei der oben genannten Firma um einen Humankapitalverleih. Sinn und Zweck solcher Unternehmungen ist es, Gewinn aus dem Verleih von Arbeitskraft zu generieren, indem man die Arbeitskraft möglich niedrigst bezahlt und im Gegenzug dem Leihnehmer möglichst viel in Rechnung stellt. Sehr einfaches Prinzip und moralisch eigentlich allerunterste Schublade.

Das Ganze rechnet sich aber nur so richtig, weil es die Arbeitslosenverfolgungsbehörden gibt und diese für immer neuen Nachschub an Humankapital sorgen. Und dass unter ständiger Androhung der Existenzvernichtung.

Der Betroffene erhielt einen sogenannten Vermittlungsvorschlag auf eine ganz bestimmte Stelle bei dieser persona service Verwaltungs AG & Co.KG. Bekannt bei solcher Art von Firmen ist, dass sie gern Bewerbungsdaten, was sehr persönliche Daten sind, speichern und auch im Zweifelsfalle weiterverkaufen. Um dies zu unterbinden, legte der Betroffene schriftlich fest, dass Bewerbungsdaten weder dauerhaft gespeichert, noch weitergegeben und auch nicht verkauft werden dürfen.

Unter dieser Prämisse fand er sich zum anberaumten Vorstellungsgespräch ein. Wohlwissend, dass das Datenschutzanliegen auf keine Gegenliebe stoßen würde, begleiteten ihn 2 Beistände. Beim Eintritt in die „Firma“ drückte man ihm gleich 2 Fragebögen in die Hand, die er ausfüllen sollte. Der Name und die Adresse waren natürlich schon eingetragen. Diese Daten hatte die Arbeitslosenverfolgungsbehörde also schon weitergegeben.

Das Ausfüllen des Fragebogens wurde natürlich abgelehnt, da es doch sehr persönliche Daten sind, die da abgefragt werden. Stattdessen wollten wir den Fragebogen mit nach Hause nehmen um ihn dann eventuell ausgefüllt wieder abzugeben. Das fand bei der Dame hinter dem Tresen überhaupt keinen Beifall. Sie forderte wehement ihre Zettel zurück. Um Sie auf andere Gedanken zu bringen, gaben wir die Datenschutzerklärung ab und baten sie um eine Unterschrift. Darüber vergaß sie natürlich die Zettel und wir steckten sie ein.

Die Unterschrift unter die Datenschutzerklärung verweigerte sie. Also es entwickelte sich genauso wie wir es vermutet hatten. Noch einmal zu dem Fragebogen. Es ist doch offensichtlich, dass es überhaupt nicht primär um diesen einen Arbeitsplatz geht. Wenn man beim Betreten dieser Firma schon mit so einem Fragebogen überfallen wird, soll doch in erster Linie der Humankapital-Pool zur späteren Verwendung aufgefüllt werden. Daten sammeln, speichern und eventuell Geschäfte damit machen, so jedenfalls entsteht der Eindruck. Normal wäre doch erst einmal ein Bewerbungsgespräch für den angebotenen Arbeitsplatz. Wäre es seriös, dann hätte man zumindest darauf hinweisen müssen, dass das Ausfüllen dieses Fragebogens freiwillig ist und auch fragen, ob man zwecks späterer Verwendung dazu seine Zustimmung gibt. Solche Überrumplungstaktiken deuten immer darauf hin, dass etwas faul im Staate Dänemark ist.

Zwischendurch äußerte die Dame hinter dem Tresen noch, dass sie es als nicht vorgestellt werten würde. Dabei blieb völlig offen, wie sie zu diesem Schluss kommt. Lag es nun am nicht zurückgeben des Fragebogens oder an der Aufforderung, uns die Datenschutzerklärung zu unterschreiben. Typisch dabei ist aber die Drohung mit der Existenzvernichtung. Das zeigt aber auch die enge Verbundenheit mit der Arbeitslosenverfolgungsbehörde.

Als die Dame hinter dem Tresen nicht mehr weiterwusste, verschwand sie mit der Datenschutzerklärung in einem Büro, worauf wir dann wenig später in selbiges gebeten wurden. Der Herr im Büro stellte sich als Herr Thurow vor.

Herr Thurow begann damit, dass er dem Betroffenen eröffnete, dass er sich bewerben möchte und das Herr Thurow gern mit ihm ein Gespräch führen würde. Mit der Datenschutzerklärung, die Herr Thurow unterschreiben soll, würde er aber gegen eine Vorstellung widersprechen. Das würde bedeuten, dass er mit keinem Kunden über ihn sprechen dürfte. Dann könne er ihn auch nicht in Arbeit bringen. Dann kommt eine sehr brisante Aussage, dass sie nämlich gegenüber sämtlichen Behörden einer Schweigepflicht unterliegen. Da stellt sich sofort eine Frage? Wieso melden dann diese Humankapitalverwerter der Arbeitslosenverfolgungsbehörde das Ergebnis der Bewerbung. Es wird ja nicht nur mitgeteilt, ob sich beworben wurde, nein, auch das Ergebnis der Bewerbung und eine Einschätzung des Kandidaten wird gegeben. Also völlig unglaubwürdig diese Aussage von Herrn Thurow. Der nächste Satz, dass sie sich an die gesetzlichen Vorgaben halten, ist damit auch nicht mehr ernst zu nehmen.

Das macht deutlich, dass eine entsprechende Datenschutzerklärung doch geboten erscheint. Nun wird es ein bisschen komisch. Erst behauptet Herr Thurow, dass er mit keinem Kunden über den Bewerber sprechen darf, wenn er die Datenschutzerklärung unterschreibt und im gleichen Atemzug sagt er, dass er keine Vermittlung hat, sondern der Bewerber bei ihm eingestellt würde. Fazit der ganzen Sache, keine Unterschrift unter die Datenschutzerklärung. Nun reichten wir Herrn Thurow noch eine Bestätigung, dass vorgesprochen wurde. Zunächst wurde sich natürlich geweigert, letztendlich doch unterschrieben. Allerdings verfasste Herr Thurow noch einen eigenen Text. Die Mitarbeiterin gab noch zum Besten, dass so eine Bestätigung nicht nötig sei, da sie sowieso Meldung an die Arbeitslosenverfolgungsbehörde machen.

So, nun betrachten wir mal, was der nette Herr Thurow so geschrieben hat. Dabei stellen wir uns zuerst einmal die Frage, was bitte hat er an dem Satz, „Bestätigung der Vorsprache“ nicht verstanden? Ein Vorstellungsgespräch zu bescheinigen war überhaupt nicht gefragt. In der Schule würde man sagen, Thema verfehlt. Zu behaupten, dass es kein Gespräch gab, ist eine bodenlose Frechheit und eine dreiste Lüge. Soweit inhaltlich.

Was aber war der Zweck dieses Geschreibsels. Es kann ja nicht sein, dass der Bewerber irgendeine Forderung stellt. Das muss bestraft werden. Es ist so abgefasst, dass die Arbeitslosenverfolgungsbehörde möglichst eine Sanktion erteilt und den Bewerber wirtschaftlich ruiniert. Das ist meines Erachtens die Absicht des Herrn Thurow. Im Übrigen erinnert mich der Stil des Geschreibsels an die Berichte der IMs in den Stasiakten zur Denunziation von Menschen. Nichts weiter als eine Denunziation hat hier Herr Thurow verfasst.

Was mir noch so aufgefallen ist:
Sämtliche Kandidaten, die dort rumgesessen sind und ihre Fragebögen schon längst abgegeben hatten, saßen in einer gekrümmten Haltung da und mit einer Leichenmiene. Bei mir machte sich der Eindruck von Angst und gebrochenen Menschen breit.

A. Pianski